Montag, 5. Oktober 2015

Lange Wege, kurz dahin...

Stell dir vor, du bist jahrelang in einem Käfig gefangen. Fliegst nur soweit, bis die Gitterstäbe deinen Flug beenden. Du träumst tagaus, tagein von einem besserem Leben außerhalb dieses Käfigs. Wie schön dein Flug doch sein könnte. Wie viele Vögel du treffen würdest, die deine Einsamkeit beenden würden.

Eines Tages öffnet sich eine Tür in diesem Käfig und du fliegst hinaus. Hinaus in die große, unendliche Freiheit. Nun mag das Leben beginnen, von dem du so lange Zeit geträumt hast.
Doch du fliegst nur so weit, wie du auch im Käfig geflogen bist. Du hast nie gelernt, weiter zu fliegen. Eine unsichtbare Wand scheint deinem Flug immer wieder ein Ende zu setzen. -“Habe ich überhaupt genug Kraft, weiter zu fliegen als bisher?“

Während du so fliegst und deine unsichtbaren Grenzen immer und immer mehr erweiterst, wirst du müde. Kein Vogel kann durchweg fliegen. Auch der stärkste Vogel muss zwischendurch rasten, neue Energien tanken. Doch wo? Du kennt nur den Ast in deinem Käfig, auf dem du alleine gesessen hast. Plötzlich umgeben dich zig Bäume, auf denen viele verschiedene Vögel sitzen. „ Auf welchem Baum darf ich mich nieder lassen? Wo werde ich willkommen sein? Wo nur geduldet? Und wo will mich niemand haben?“
Nach langer Suche entscheidest du dich für einen Baum, denn deine Flügel werden schwer. Du beginnst, den anderen Vögeln von deiner Reise zu erzählen, von den vielen unsichtbaren, überwundenen Grenzen, von deinen vielen neuen Erfahrungen. Doch plötzlich merkst du, dass die anderen Vögel deine Worte gar nicht verstehen. Dein Leben scheint nicht wie ihres zu sein.
Traurig fliegst du weiter, auf der Suche nach dem Leben, von dem du im Käfig immer geträumt hast.
 
„Lange Rede, kurzer Sinn,
wie find ich bloß den Weg dorthin?“


Yvonne

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